Geschichte - Allgemein

Westenfeld

Westenfeld - Ackerland, Weideflächen und Wald bilden harmonischen Dreiklang, Wohnviertel und ein Industriegebiet stehen für eine gute Zukunft

(von Klemens Teipel 2010 und Stephan Kemper 2011)

Die Ortsbezeichnung Westenfeld macht klar, das hier der westliche Teil eines größeren, zusammenhängenden Siedlungsgebietes gemeint ist. Mit den Ortsteilen Bainghausen, Selschede und Schnellenhaus ist es Bestandteil der Hellefelder Mark, welche von je her mit den weiteren Ortschaften Altenhellefeld, Herblinghausen, Frenkhausen, Visbeck, Linnepe, Weninghausen, Meinkenbracht und dem namengebenden Ort Hellefeld eine Einheit bildete.

Identisch ist dieses Gebiet mit dem Holzgericht und der Pfarrei Hellefeld, dem so genannten Kirchspiel (vom plattdeutschen Kerspel), das im Volksmund auch gern das „Alte Testament“ genannt wird. Man mag hier eine Parallele zu den alttestamentlichen zwölf Stämmen Israels sehen. Vielleicht. Denn unsere Altvordern dachten und sprachen gern in biblischen Bildern. Hier zwölf Orte, dort zwölf Stämme. Natürlich kann der Grund auch ein anderer sein. Wir dürfen annehmen, dass die Besiedlung der gesamten Fläche eng beieinander liegt. Der Ver-bund legt dies nahe, wohl auch die Anlage der Wallburg am Dümberg, deren gewaltige Erdbewegung viele Hände forderte. Auch ohne wissenschaftliche Altersbestimmung kann man ihre Entstehung sicher in karolingischer Zeit sehen.

Erstmalig urkundlich erwähnt sind die Ortschaften zufällig. Der Mittelpunkt Hellefeld sehr früh, 886 schon. Westenfeld und die zugehörigen Ortsteile erscheinen erst in einem Güterverzeichnis des Arnsberger Grafen Wilhelm: 1313 Westenfeld und Schnellenhaus, Selschede dann 1338. Graf Gottfried IV. liefert 1348 schließlich auch den Nachweis über  Bainghausen. Er erwähnt darin auch eine Westenfelder Mühle. Wo also eine Mühle war, müssen zwangsläufig auch Hofanlagen bestanden haben. Wir sehen, eine Bürokratie wie  heute brauchte man damals noch nicht. Um alles im Gedächtnis zu behalten, genügten schon Schnadegänge. Aber die wurden sehr genau beachtet. Verfehlungen wurden durch Brüchten hart bestraft, kleinere Vergehen meist an Ort und Stelle durch schmerzhaftes Aufsetzen etwa auf einen Grenzpfahl („Pohläsen“). Das genannte Holzgericht ist seit 1321 belegt und bestand bis in die Zeit hessischer Verwaltung. Die Gerichtsbarkeit lag nun ganz in deren Händen. Und was die Waldnutzung anbelangte, das war mit ihrer Aufteilung unter die Beerbten im Jahre 1845 ohnehin vorbei. Wenn nun nach preußischer Gebietsordnung von politisch selbständigen Gemeinden die Rede ist, dann beziehen sich ihre Grenzen auf die ihrer Binnermarken, die nun als Gemeindegrenzen verbindlich wurden. Daneben aber bestand noch als Allgemeingut die Hohe Mark. Sie wurde in einem separaten Verfahren aufgeteilt. Der Westenfelder Anteil ist auf  aktualisierter Karte zum Norden hin kenntlich.

Die Pfarrei Hellefeld lag von Anfang an in den Grenzen der Markengenossenschaft. Ihre Gründung muss vom Mescheder Frauenstift aus erfolgt sein. Denn in einer Urkunde aus dem Jahre 1179 nennt der Kölner Erzbischof Philipp I. (1167-1191) neben der Äbtissin Adelheid von Meschede den Priester Henricus zu Hileualden (Hellefeld). Bei der gleichzeitigen Einweihung der Stiftskirche zu Meschede befielt er, dass am jährlichen Magdalenentage, dem Gedenktag der Kirchweih, die Pfarreien ihres Kirchbannes prozessionsweise dort erscheinen, und somit ihre Zugehörigkeit bekunden. Alles, was die Pfarrkirche Hellefeld anbelangt, betrifft also bis 1923 auch Westenfeld.

Wegen der großen Entfernung zum Kirchdorf baute Westenfeld mitten im Dorf eine Kapelle und unterhielt diese als so genannte Kapellengemeinde in eigener Sache. Bezeugt ist sie durch eine Urkunde vom 18. Oktober 1490, dem Tag der Weihe durch den Kölner Weihbischof und Generalvikar Johann von Cyrenensis auf die Patrone Quirinus, Fabian, Sebastian und Agatha. Die Bindung an die Pfarrkirche schmälerte dies nicht. Nur dort wurde getauft, geheiratet und beerdigt. Es hatte jedoch den Vorteil, dass gelegentlich auch in Westenfeld Gottesdienst gehalten werden konnte. Die Größe des ursprünglichen Kapellenplatzes betrug ca. 2300 qm. Im Laufe der Jahre bedurfte diese Kapelle natürlich der Erneuerung, so zum Beispiel 1812, 1856 und 1935. Als reiner Bruchsteinbau mit einem kleinen Dachreiter erhielt die nunmehrige  Kirche einen so genannten Zwiebelturm, der bis zu seinem Abriss am 27. Dezember 1969 ein Charakteristikum blieb. Das übrige Gebäude wurde zu Wohnzwecken umgestaltet.

Am 1. Juli 1923 wurde die Kapellengemeinde Westenfeld zur Pfarrvikarie mit eigener Vermögensverwaltung erhoben. In der Dorfmitte entstand das Vikariehaus. Der stete Anstieg der Bevölkerung machte eine Vergrößerung der Kapelle und schließlich einen Kirchneubau notwendig. Am Heiligen Abend 1968 feierte die St. Agatha-Gemeinde Westenfeld in der neuen Kirche den ersten Gottesdienst.

1783 erfahren wir die erste konkrete Einwohnerzahl von 172. In hessischer Zeit stieg sie auf 257. Das Jahr 1905 verzeichnet einen nur geringen Anstieg auf 265. 1939: Anstieg auf 574. Im April 1946 zählte Westenfeld 562 Einheimische, 75 Evakuierte und 41 Vertriebene. 1966 war die 1000 erreicht. Bis gegen Ende des II. Weltkrieges war die Bevölkerung bis auf wenige Ausnahmen katholisch. Sie vermischte sich dann durch den Zuzug von Evakuierten und später durch Vertriebene. Der Anteil von Evangelischen stieg auf neun Prozent. Dazu kamen 0,4 Prozent weitere bzw. glaubenslose Personen.

1919 hatte Westenfeld eine Volksschule eröffnet - 1955 erfolgte ihr Neubau an der Weiste. Gründung der Feuerwehr im Jahr 1928, mit dem Spritzenhaus an der alten Vikarie. Am 1. Juli 1952 änderte sich die Zugehörigkeit vom Amt Freienohl zum Amt Sundern.

1959 entstand ein neues Feuerwehrgerätehaus, das die freiwillige Feuerwehr, die heutzutage als Löschgruppe Westenfeld in das Feuerwehrwesen der Stadt Sundern eingegliedert ist, seither nutzt.

1969 Anlage eines Sportplatzes am heutigen Standort, davor wurde dort Fußball gespielt, wo heute die Kirche steht.

Die baufällige alte Schützenhalle musste abgerissen werden und deshalb entstand 1970 eine neue Halle, die auch heute noch für viele Veranstaltungen und Festivitäten genutzt wird.

Neben der Erweiterung unserer Grundschule u.a. durch einen Pavillon, errichtete die Stadt Sundern im Oktober 1974 einen Kindergarten. Bereits 1939 hatte es einen Vorläufer des Kindergartens gegeben, dieser war in der Schützenhalle untergebracht.

Als mit Beginn des Jahres 1975 Westenfeld Teil der neuen Stadt Sundern wurde, war vor der eigenen „Haustür“ alles bestens bestellt. Bainghausen hat sich seitdem in ein Wohngebiet verwandelt, auf dem Großen Bruch siedelte sich nach und nach Industrie an.

1979 gründete sich der Ortsring, eine Vereinigung aller in Westenfeld aktiven Vereine und Institutionen. Der Ortsring organisiert verschiedene Veranstaltungen und koordiniert Termine und Aktivitäten.

1985 dann wurde die erste Chronik über den Ort veröffentlicht. Klemens Teipel hatte nach jahrelanger Recherche Fakten und Fotos zusammengetragen und daraus auf Basis der Aufzeichnungen seines Schwiegervaters, dem ehemaligen Volksschullehrer Anton Knoche, das Buch „Westenfeld, eine Landgemeinde im Wandel der Zeit“ mit Unterstützung der Schützenbruderschaft, verlegt.

Die Schützenbruderschaft schenkte der Gemeinde zum 175-jährigen Bestehen die 7 Fußfälle den Leggen hinauf, die 1988 eingeweiht wurden. Im 19. Jahrhundert stand in Westenfeld bereits ein Kreuzweg, der den Leggenweg (heute Bainghauser Weg) hinauf bis zur Wasserscheide führte.

Einige Jahre später, 1991, errichteten die Westenfelder, u.a. mit viel Eigenleistung, eine eigene Friedhofskapelle, 1996 dann auch ein eigenes Pfarrheim auf dem Kirchengelände.

Nachdem sich Ende der 90er Rohre auf Initiative des damaligen Ortsvorstehers Herbert Laufmöller eine Rentnerband gebildet hatte, errichtete diese den Walderlebnispfad, der von Jung und Alt aus Nah und Fern gerne besucht wird und eine große Bereicherung für den Ort darstellt.  Die Einweihung fand 2002 statt.

2002 wird Klemens Teipel als erster Ortsheimatpfleger von Westenfeld ernannt. Nach seinem Tod im Jahre 2010 übernimmt Stephan Kemper das Amt ab Sommer 2011.

Jugendliche und Helfer aus der Nachbarschaft errichten 2003 den sog. LUNA-Park in der Ortsmitte. Er dient als Treffpunkt, sie konnten dafür sogar den Umweltpreis der RWE in Empfang nehmen.

Westenfeld nimmt seit vielen Jahren am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft“ teil. Einen großen Erfolg konnten wir dabei 2005 verbuchen, als wir gemeinsam mit Allendorf  Platz 1 auf Sunderner Ebene belegten und zum Kreiswettbewerb eingeladen wurden.

Schwere Verwüstungen richtete der Sturm KYRILL am 18. Januar 2007 an. Im gleichen Jahr gründen die beiden Standorte Westenfeld und Hellefeld eine Gemeinschaftsgrundschule Altes Testament.

2009 und 2010 waren Jahre des Sportvereins SuS Westenfeld. Nachdem man bereits zwischen Schule und Kindergarten ein DFB-Minispielfeld erstellen konnte, bekam man auch den Zuschlag zum Bau eines Kunstrasenplatzes, der am 29.08.2010 offiziell eröffnet und eingeweiht wurde.

Im Jahr 2013 feierte Westenfeld mit vielen Sonderveranstaltungen dass 700-jährige Jubiläum. Höhepunkt war der Historische Markt am 8. September des Jahres mit über 4.000 Gästen und einem gelungenen Programm.

Trotz erheblichem Strukturwandel wahrt Westenfeld dennoch seinen ländlich ausgeglichenen Charakter. Ein guter Weg in die Zukunft ist somit vorgezeichnet.

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Das Westenfelder Wappen

Ein auf blauem Schild stilisierter Kranz aus Ähren und Eichenblättern, unterbrochen durch das kurkölnische Kreuz, stellt den land- und forstwirtschaftlichen Charakter der Gemeinde dar. Das Wappen wurde im Jahre 1961 nach einem Entwurf des Heraldikers Mallek aus Münster geschaffen. Es schmückt ein Fenster des Sitzungssaales des Rathauses der Stadt Sundern. (Quelle: Klemens Teipel – Westenfeld, eine Landgemeinde im Wandel der Zeit)

 
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